7 formale Regeln für Lessons of Hal Hartley

15 min Blitzvortrag an die Regie und Kmerastudenten  – Prof.Zeitlinger BildLichtRaum  – Hochschule für Fernsehen und FIlm München
NICHT ZUR VERÖFFENTLICHUNG VORGESEHEN –  NUR FÜR KURSTEILNEHMER BESTIMMT

🎥 Voraussetzung  für einen Film und jede einzelne Szene ist eine zündende Idee und was Erzählwertes mit

1. einer Entwicklung und einem Twist

2. was ist der Need des Characters der die Szene führt

3. was sind seine antagonistischen Kräfte (Gegenspieler, Obstacles)

4. welche Elemente erzählen die einzelnen Schritte der Handlung (Wort-Aktion)

5. was erzähle ich vordergründig, was eigentlich (subtext)

🎥 7Handwerkliche Tips zur Inszenierungspraxis:

 

§1 Seid genau.

Vermeidet Schmampf !! (jiddischer Ausdruck für Sosse, Gemisch, Unklares)Untersucht die Beats der Szene, markiert sie im Drehbuch. Wo es schnell sein muss, inszeniert schnell, wo es langsam sein muss, setzt eine Pause.Vermeidet LangAtmigkeit. Langweilt den Zuschauer nicht.Pausen können sehr kurz gestaltet sein, denn sie wirken lang im Kontrast zur schnellen Inszenierung. Schauspieler neigen zur Zerdehnung. Macht mit ihnen die Howard Hawks Übung.Legt fest, welcher Charakter schnell und passiv ist, und welcher langsamer und reaktiv. Auf jeden Fall sollten sie nicht in gleicher Geschwindigkeit dahinschwafeln.

Merksatz💊Seid so schnell als möglich, so langsam als nötig.

§2 Wählt richtige Grössen.

Grösse bedeutet nicht nur Bildausschnitt. Es bedeutet auch wie nahe man die Kamera, also den Zuschauer ans Geschehen bringt. Überlegt Euch, wo eine Totale in der Szene die grösste Aussage hat. Markiert diese Stelle im Drehbuch. Eine Totale zeigt den Raum, sie zeigt aber auch das Eingebettetsein eurer Charaktere und deren Bezug zueinander. Lasst die Schauspieler den Raum wahrnehmen, in dem sie agieren. Lasst sie aktiv was tun, löst euch vom sitzen und stehen!Welchen Raum braucht der Schauspieler zum Ausdruck seiner Emotionen und Bewegungen. Spielt die Statur, die Haltung, der Gang eine Rolle? Das sollten nämlich alle diese Eigenschaften tun, sonst fehlt dem Charakter was.Der Bildausschnitt soll also so weit sein, dass der Körperausdruck gesehen werden kann. Das, was gesprochen wird, hört man ohnehin, man muss nicht unbedingt sehen wie sich der Mund bewegt!Wo sind die grössten (stillen) Emotionen, die grösste Mimische Darstellung? Markiert diese Stelle im Drehbuch. Dort soll das Gesicht zur Landschaft werden, in der der Zuschauer lesen kann. Der Raum verschwindet.

Merksatz💊Seid so weit als möglich und so nah als nötig.

§3 Wählt die richtige Perspektive.

Wann muss man Dinge genau sehen, wann kann oder muss man sie sogar verstecken? Haltet die Kamera den Charakteren nicht immer in die Fresse. Seid nicht obszön. Von welcher Perspektive aus wird die Szene erzählt? Versetzt den Zuschauer in diese Perspektive. Lasst ihn die Szene aus dieser Perspektive erleben. Eine Overschoulder zeigt, was der Protagonist sieht, zeigt aber auch seine Position und Distanz dazu, dafür sieht man seinen Gesichtsausdruck nicht. (den muss man auch nicht immer sehen)Wechselt nicht wahllos die Perspektive, das entfernt den Zuschauer vom Erleben und führt zur “Berichterstattung”. Überlegt euch, wo sind die Schlüsseleeignisse, wo man die Charaktere von vorne sehen muss.

Merksatz💊Seid so geheimnisvoll und erzählperspektiv als möglich, und nur so “frontal” als nötig.

§4 Macht nur bewusste Schnitte.

Stellt euch erstmal die ganze Szene in einer einzigen Einstellung vor. Wo  hagt es, wo ist die Stelle, wo ein Schnitt nötig ist, um die Handlung zu erzählen?Der Schnitt ist eine unnatürliche Grössen und Perspektivänderung. Jeder Schnitt zerstört normalerweise den Fluss der Handlung. Er täuscht Rhythmus vor, der nicht da ist und zerbricht jenen Rhythmus, der inszeniert worden ist. Der Schnitt fragmentiert den emotionalen Bogen einer schauspielerischen Darstellung oder einer Kamerabewegung. Das tiefe Erleben bleibt aus, das Dargebotene wird zum kurzatmigen Plätschern.Vermeidet Schnitte, die “Zuckerl” einer mittelmässigen Inszenierung zu einem verdaubaren Streusselkuchen zusammenfügen.Seid lieber genau in der Inszenierung, setzt dort die richtigen Tempi und Emotionale Bögen. Der Zuschauer wird es mit höherer Anteilnahme danken.Greift zum “Rettungsschnitt” erst, wenn die Inszenierung versagt hat. Plant ihn nicht von vornherein. Macht bitte keine “Schnittauflösung” Das Fernsehen ist voll von Rettungsschnitt Inszenierungen. (FKK)

Merksatz💊So wenig schneiden wie möglich, so viel wie nötig.

§5 Bewegung der Schauspieler und die Bewegung der Kamera selbst.

Film heist “Movie” das bedeutet Bewegung! Entfernt alle Vokabeln aus dem Drehbuch wie “stehen” “sitzen” “liegen”. Die Charektere müssen beschäftigt werden. Ebenso muss sich die Kamera unentwegt bewegen, damit die Leinwand zum Raum wird. Statische Einstellungen werden zu “Bildern” und gehören ins Museum, nicht auf die Movie-Leinwand. Aber Achtung: Bewegung muss motiviert sein und kein Selbstzweck werden. Lasst den Zuschauer den Protagonisten folgen und ihnen vorauseilen. Autonome Bewegung kann Suspence erzeugen. Wenn ein Versprechen da ist, muss es eingelöst werden. (Harmonie in der Musik) Bewegung der Kamera MIT dem Darsteller mindert die Bewegung, GEGEN verstärkt sie.Bewegung ist relativ!

Merksatz💊 So viel Bewegung als möglich, so weing als nötig.

§6 Wählt die richtige Lichtstimmung.

Macht Ihr einen I-phone film oder einen Kinofilm? Das Kino entsteht aus der Dunkelheit. Ähnlich vie bei der richtigen Perspektive gilt: Man muss nicht alles sehen! Im Gegenteil, je weniger man sieht, desto mehr Bedeutung haben jene Objekte, die man ins Licht setzt. Überlegt Euch, wann das Hauptobjekt ins Licht kommt, und wann es im Dunklen verborgen bleibt. (Kurzs in Apokalypse)Vermeidet allover Helligkeit, aber auch allover Dunkelheit. Setzt Akzente.

Merksatz💊 So dunkel als möglich, so hell als nötig.

§7 Vermeidet Farbenchaos.

Denkt die Szenen erstmal farblos. Wo spielen Farben eine Rolle? Verwendet nicht mehr als eine Farbe in der Szene. Alles andere soll farblos sein. Ein buntes Filmbild wird belanglos und hebt die Bedeutung der Farbe auf.Die Charaktere sollen die strahlenden Götter sein, nicht deren Hemden und Hüte! Sie sollen auch nicht durch knallige Hintergründe erschlagen werden.Vermeidet Weiss, Schwarz, Rot , Grün und Blau. Das sind Primärfarben, die dem Auge Schmerz verursachen.

Merksatz💊 So wenig Farbe als möglich, so viel als nötig.

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