Studio Tips für Kamerastudenten

an die Kameraleute:

Zufällig habe ich heute Morgen die Schöpfung von Haydn gehört mit den folgenden zwei Schlüsselsätzen:

“Gott schied das Licht von der Finsternis”

und

“Ordnung kehrt hervor”

Die Schöpfung ist ein Model der KREATIVITÄT und SCHÖPFERISCHER ARBEIT schlechthin,

und zufällig passen die ersten Sätze der Schöpfung wunderbar zu unserer Licht – Studioarbeit.

also bitte:

1. Vermeidet die Unordnung, dadurch, dass man alles sieht!

Bringt die Schauspielgesichter und wichtige Requisiten ins Licht (bei uns nur die Unterhose).

2, Beginnt mit Eurer Ausleuchtung mit der Finsternis!

Wie kann man das erreichen, wenn man die Kamera einschaltet, dann sieht man doch schon alles?

Antwort:

a) Setzt die ASA Zahl auf sehr klein und benützt ev. einen Graufilter,

sodass Ihr nur die Lampenschirme seht.

So ensteht die “anfängliche Finsternis”.

b) Dann Beginnt Ihr mit der “Schöpfung” Leuchtet die Schauspiel Positionen auf Mittelwert

– Lichtrichtung möglichst aus der anderen Seite der Kamera. Lässt alles andere im Dunklen!

Vermeidet Lichtbrause von Oben (hat sich leider eingebürgert, weil man überall drehen kann,

macht aber hässliche Augenhöhlen, die nur beim Paten gut waren)

c) Wenn die Kamerabewegungen feststehen, korrigiert das Licht für die Gesichter (45 Grad von Oben +-)

von der anderen Seite der Kamera (Gegenlicht)

Kehrt nach Möglichkeit die Dunklere Seite der Szene, und Schauspieler in Kameranähe,

sodass das Licht “aus der Tiefe der Kino-Leinwand kommt”.

Dadurch entsteht der schon oft besprochene Kino= Höhlencharakter

d) Ähnlich einem Schachspiel werden die Practicals in der Szene verteilt, Züge vorausahnend

auch die Schauspilepositionen danach festgelegt (farbige Marken am Boden)

3, Wählt die Brennweiten nach der Nähe und dem Aufmerksamkeitsgrad der Szene.

a) Intime Einstellung, (Kamera physisch nahe eher Weitwinkel) –

b) beobachtende Einstellung (Kamera weiter weg – eher Teleoptik)

Seid da genau, sonst entsteht da keine emotionale Aussage und nur Schmampf (§1)!

4. Macht nicht Handkamera weils schneller geht und weniger Arbeit ist.

Macht Handkamera wenns Sinn macht!

Ihr habt alle den Dollyschein, bitte benehmt Euch wie Erwachsene!

5. wählt den Schnitt erst, wenn der Druck der Zeit es den Zuschaeuer ersehnen lässt (Andrej Tarkowskij)

Noch einkleiner Tip am Ende für alle:

AUCH WENN IHR KURZE EINSTELLUNGEN PRÄZISE INSZENIERT,

LASST DEN SCHAUSPIELERN ETWAS VORLUF,

DAMIT SIE IN DIE STIMMUNG UND RHYTHMUS KOMMEN!

Sonst werden sie entweder zu langsam oder gefühllos. Auch staccato texte vermeiden!